Schauen oder wegschauen…
Libbe 25. April 2007
Wenn ich mit dem Hund gassigehe, bin ich – wenn ich allein mit ihr unterwegs bin – oftmals in Gedanken versunken. Eben war es wieder so: ich dachte nach, zog mir die verschiedenen Blütengerüche ein, die seit einigen Tagen die Luft beherrschen, und hörte auf Vogelgezwitscher verschiedenster Art. Auf dem Rückweg wollte unser Pussyhund, wie so oft, lieber auf dem Bürgersteig gehen als die Pfoten auf dem staubigen, aber leinenzwanglosen “roten” Weg, der eigentlich mit viel Grün behaftet ist, gehen und bog also in eine Straße ein. Ein Stückchen vor uns stand eine Frau, d.h. sie saß, nämlich im Rollstuhl mit dem Rücken zu uns und mir überkam durch kurzes (wieder waches) Beobachten das Gefühl, diese Frau wirke hilflos. Ich ging also mit Hund in der einen Hand und Sch…beutel desselben in der anderen Hand an die Frau vorbei und drehte mich ein wenig um, in der Hoffnung sie würde mir in die Augen schauen, sozusagen Kontakt aufnehmen wollen. Nichts passierte und ich ging 20 m. weiter. Das Gefühl hatte mich nicht verlassen, ich drehte mich um und sah, wie sie (verschämt, schien mir) versuchte, den Rollstuhl Richtung Hochhaus zu bewegen. Dies gelang nicht, weil es zwar eine glatte, aber etwas steile Fläche war. Also ging ich zügig zurück, fragte ob ich helfen könne und bekam die erstaunliche Antwort: “Ja, gern, ich habe mich nicht getraut zu fragen…” – worauf ich antwortete, daß sie es doch nächstes Mal bitte tun soll, es sei doch keine Schande. Ihren Haustürschlüssel gab sie mir mit der freundlichen Bitte, ihr die Tür zu öffnen, dann würde sie allein zurechtkommen.

Wo ein Wille, da auch ein Weg!
Jetzt sitze ich hier, warte darauf das Fenja ihre Entzugserscheinungen von einer Woche Wien mit ihrer geliebten “Rougette”-Mahlzeit stillt, um danach zusammen zu Thoddy zu fahren, und grüble darüber nach, warum man sich als “Gehandicapter” in der heutigen Zeit nicht traut, um Hilfe zu bitten. Auch Fenni war überrascht…
Zudem frage ich mich, da die Frau etwa in meinem Alter war, wie lange sie den Rollstuhl, ihren doch schwierigen Weg von und zum Hochhaus und ihren eigenen Körper (Kraft) “kennt”. Aber ich hoffe, sie wird, egal wie lange sie auch in der Situation sein mag, wieder in die Sonne fahren und sich nicht irgendwo verkriechen. Ich sollte wohl öfters um die Uhrzeit diesen Weg gehen… Aber dafür ist mein Leben was die Zeit anbelangt ein wenig unstrukturiert.
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